CAS bestätigt Paralympics-Ausschluss russischer Sportler

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Andreas Zellmer; Martin Kloth: CAS bestätigt Paralympics-Ausschluss russischer Sportler. beck-aktuell, 23.08.2016 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/171391)
Der CAS hat den Ausschluss der russischen Sportler von den Paralympics vom 07. bis 18.09.2016 in Rio de Janeiro bestätigt. Das Urteil wurde weitgehend begrüßt und als Zeichen für Null-Toleranz-Politik im Anti-Doping-Kampf verstanden. Nach den Spielen will das IPC in Kooperation mit der WADA Kriterien zur Wiederaufnahme Russlands aufstellen.
Russisches Paralympics-Komitee legte Einspruch ein
Das russische Paralympics Komitee (NPC Russia) hatte gegen die Aussetzung seiner Mitgliedschaft im IPC Einspruch eingelegt. Wegen seiner Verwicklungen in das staatlich gelenkte Doping-System war das NPC am 07.08.2016 suspendiert worden. Der CAS bestätigte diesen Schritt, weil das NPC gegen die Anti-Doping-Richtlinien des Komitees und der Welt-Anti-Doping-Behörde WADA verstoßen habe. Die Russen hätten bei einer Anhörung in Rio die Vorwürfe nicht entkräften können. Allenthalben fand die CAS-Entscheidung ein positives Echo. Die NADA, der Deutsche Behindertensportverband und Sportrechtler begrüßten den Richterspruch. "So hätte das IOC auch entscheiden können", sagte der Heidelberger Sportrechtler Michael Lehner.
Total-Ausschluss stößt in Moskau auf scharfe Kritik
“Aber sie wollten sich die Hände so ein bisschen in Unschuld waschen und haben es den Verbänden überlassen. So oder so war es eine politische Entscheidung“, sagte Lehner gegenüber Medienvertretern. Naturgemäß stieß der rechtskräftige Total-Ausschluss in Moskau auf scharfe Kritik. Der CAS habe politisch und nicht juristisch entschieden, sagte Sportminister Witali Mutko. “Es gab keinen Grund für den Ausschluss, und doch ist es so gekommen“, sagte er der Agentur Tass. Der Vorsitzende im Sportausschuss des russischen Parlaments, Dmitri Swischtschow, sprach von “unerhörter Frechheit und Prinzipienlosigkeit“ des CAS. Russland könne das Urteil vor dem Schweizer Bundesgericht anfechten, falls es Formfehler gegeben habe, ließ der Sportjurist Michail Prokopez verlauten. Dies sei aber wenig aussichtsreich und komme vermutlich zu spät. Die Paralympics, zu denen mehr als 3.500 Sportler aus 164 Nationen erwartet werden, beginnen in zwei Wochen.
IPC-Chef: Russland bekommt Chance für Wiederaufnahme
Nach massiven Doping-Vorwürfen im Report des unabhängigen Ermittlers Richard McLaren für die WADA hatte das IPC die Suspendierung mit mangelnden Anstrengungen der Russen im Anti-Doping-Kampf begründet. “Der McLaren-Report markierte einen der dunkelsten Momente des Sports“ sagte IPC-Chef Philip Craven. Das IPC hatte von McLaren die Namen von 35 Sportlern erhalten, die in Verbindung mit verschwundenen positiven Dopingproben aus dem Moskauer Kontrolllabor stehen sollen. Zudem schickte der Dachverband 19 Dopingproben der Winter-Paralympics 2014 in Sotschi zur Nachkontrolle. Aber es soll auch ein Zurück geben. “Wir hoffen, dass die Entscheidung ein Katalysator für den Wandel in Russland sein wird und dass wir das russische Paralympische Komitee als Mitglied wieder begrüßen können“, sagte Craven. Nach den Paralympics in Rio will das IPC in Kooperation mit der WADA Kriterien zur Wiederaufnahme Russlands aufstellen.
- dpa
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Andreas Zellmer; Martin Kloth: CAS bestätigt Paralympics-Ausschluss russischer Sportler. beck-aktuell, 23.08.2016 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/171391)



