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Alles für die Ex?

Anwalt spielt Polizist und muss 260 Arbeitsstunden leisten

Eine Überwachungskamera an der Decke eines Restaurants
Auch Anwälte sollten ihre Ex nicht stalken © MemoryMan / Adobe Stock

Ein britischer Anwalt gab sich am Telefon als Polizeibeamter aus, um an Überwachungsvideos seiner schwangeren Ex zu kommen. Ein Gericht verhängte dafür 260 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

Ein 34-jähriger Solicitor aus Altrincham bei Manchester rief bei einer Fastfood-Kette an, gab sich als Polizist aus und bat um Überwachungsvideos, die den Innenraum des Restaurants zeigen. Der Grund: Er wollte seine schwangere Ex-Freundin sehen. Die Folge: Das Leeds Magistrates' Court brummte ihm 260 Stunden gemeinnützige Arbeit auf. Dazu kommen eine zwölfmonatige Bewährungsauflage ("Community Order"), 650 Pfund Verfahrenskosten und 114 Pfund Opferabgabe.

Was 260 Stunden bedeuten, wird erst auf den zweiten Blick sichtbar. Bei einer klassischen 40-Stunden-Woche sind das sechseinhalb volle Arbeitswochen – ohne Bezahlung, unter Aufsicht, mit Warnweste statt Anwaltsrobe. Wer die Arbeitsstunden lediglich am Wochenende ableistet, hat für ein Dreivierteljahr keinen freien Samstag mehr. 

Anwalt spielt Polizist

Angefangen hatte alles im Juli 2025. Mitarbeitende einer Nando's-Filiale im nordwestenglischen Warrington nahmen einen Anruf entgegen. Am anderen Ende meldete sich ein Mann, der sich als "PC Matthew Gregory" ausgab. Die Behauptung: Er arbeite für die Abteilung häusliche Gewalt der Cheshire Police. Für seine Ermittlungen benötige er das CCTV-Material zweier Gäste, ein Mann und eine Frau. Für die Übermittlung des Videomaterials gab er die nur für diesen Zweck erstellte Mailadresse "matt.gregory@cheshirepolice.uk" an. 

Das Restaurantpersonal schöpfte jedoch Verdacht und informierte die echte Polizei. Dort war ein "Police Constable Gregory" naturgemäß unbekannt. Die echten Ermittlerinnen und Ermittler spürten den Solicitor über die Registrierungsdaten der Domain auf. Bei der Registrierung hatte der Anwalt seinen echten Namen, Geburtsdatum, Telefonnummer und auch seine Anschrift hinterlegt.

Vom Rechtsberater zum Beschuldigten

Vor Gericht bestritt der 34-Jährige, seine schwangere Ex-Partnerin ausspionieren zu wollen; die Schuld liege bei ihr. Das Gericht ließ sich davon jedoch nicht überzeugen und verurteilten den falschen Polizisten wegen Amtsanmaßung ("impersonating a police officer"). 

Detective Constable Darroch von der Cheshire Constabulary sagte in einer Pressemitteilung dazu: "Man muss kein Anwalt sein, um zu wissen, dass es strafbar ist, sich als Polizeibeamter auszugeben." Der Anwalt habe durch seine Tat seinem eigenen Ruf dauerhaft geschadet. 

Für den Anwalt könnte der teuerste Teil des Verfahrens allerdings noch bevorstehen: Die britische Anwaltsaufsicht ("Solicitors Regulation Authority") kündigte bereits eine berufsrechtliche Prüfung an. Der Solicitor will gegen das Urteil Berufung einlegen. In der Öffentlichkeit tritt er unter anderem unter dem Spitznamen "The Legal Missile" ("die juristische Rakete") auf.