Kritik an Kompromiss zur Erbschaftsteuer-Reform

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Kritik an Kompromiss zur Erbschaftsteuer-Reform. beck-aktuell, 22.09.2016 (abgerufen am: 15.04.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/170046)
Der in der Nacht zum 22.09.2016 von Bund und Ländern vereinbarte Kompromiss zur Erbschaftsteuer-Reform trifft nicht überall auf positive Resonanz. Die FDP befürchtet, dass die Neuregelung vor dem Bundesverfassungsgericht keinen Bestand haben wird. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisieren die Einigung. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zeigte sich dagegen sehr zufrieden.
BDI: Politik hat Zusagen bei Erbschaftsteuer-Reform nicht eingehalten
Durch die Neuregelung würden die eigentümer- und familiengeführten Unternehmen deutlich höher belastet als von der Politik zugesagt, erklärte BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber am 22.09.2016. Die Koalitionsaussage, keine unnötigen Mehrbelastungen zu beschließen, sei durch das Vermittlungsverfahren relativiert worden. "Zusätzliche Beschränkungen für Unternehmer werden in der Praxis wegen mangelnder gesetzlicher Konkretisierung neue Fragen aufwerfen", sagte Kerber. Aus seiner Sicht führen die schärferen Vorgaben auch zu höherer Bürokratie.
FDP-Finanzexperte zweifelt an Verfassungsmäßigkeit
Auch der FDP-Finanzexperte Volker Wissing hat große Zweifel an der von Bund und Ländern vereinbarten Reform der Erbschaftssteuer geäußert. Er gehe davon aus, dass das Bundesverfassungsgericht auch diese Regelung aufhebe, sagte der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister am 22.09.2016 im ARD-"Morgenmagazin". Die Richter in Karlsruhe hatten in der Vergangenheit klargestellt, dass eine gestaltungsfähige Erbschaftssteuerregelung verfassungswidrig sein könne. Die Einigung zur Erbschaftssteuerreform scheine aber extrem gestaltungsfähig zu sein, sagte Wissing. "Damit sind wir wieder genau da, wo wir waren: Es muss nur geklagt werden, und dann fällt das ganze wieder wie ein Kartenhaus zusammen." Die Einigung gebe somit Familienunternehmen keine Rechtssicherheit oder verlässliche Planungssicherheit.
DGB-Vorstand: Ergebnis enttäuschend
Auch DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell zeigte sich am 22.09.2016 enttäuscht von der Einigung. "Mit diesem Kompromiss werden weiterhin pauschale und unverhältnismäßige Steuerprivilegien gewährt", kritisierte er. Der Vermittlungsausschuss habe sich lediglich auf einige Präzisierungen geeinigt, um die wildesten Auswüchse an Steuergestaltung zu vermeiden. Gemessen am gesamten Steueraufkommen würden sich damit auch künftig die Einnahmen aus der Erbschaftsteuer unterdurchschnittlich entwickeln. Der Trend, "dass sich Superreiche immer weiter aus der Finanzierung des Gemeinwesens zurückziehen", bleibe ungebrochen. Das gefährde letztlich Arbeitsplätze, betonte Körzell.
CSU zufrieden, SPD abwartend
In einer ersten Reaktion auf den von Bund und Ländern in letzter Minute erzielten Kompromiss zur Reform der Erbschaftssteuer hat sich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) dagegen zufrieden geäußert. "Ich bin zufrieden, sogar sehr zufrieden", wurde er in der Nacht zum 22.09.2016 von der "Süddeutschen Zeitung" zitiert. Auch Schleswig-Holsteins grüne Finanzministerin Monika Heinold sagte dem Blatt, man sei tatsächlich aufeinander zugegangen. "Ich werde das Ergebnis wohlwollend prüfen. Mir ist es sehr wichtig, dass der Gesetzgeber und nicht das BVerfG entscheidet." Bei der SPD hieß es, man wolle zunächst die Texte zur Einigung abwarten, da Kompromiss zunächst noch informell sei.
- Redaktion beck-aktuell
- dpa
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Kritik an Kompromiss zur Erbschaftsteuer-Reform. beck-aktuell, 22.09.2016 (abgerufen am: 15.04.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/170046)



