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Nach Kritik an türkischer Justiz

Deutsche-Welle-Reporter erneut festgenommen

Gebäude der Deutschen Welle (DW) mit Logo
Uludag arbeitet für die Deutsche Welle als Gerichtsreporter. © kittyfly / Adobe Stock

Der türkische Gerichtsreporter der Deutschen Welle, Alican Uludag, wird erneut in Ankara festgenommen. Der Journalist war erst kürzlich aus der Untersuchungshaft entlassen worden.

Der vor rund zwei Monaten aus der Untersuchungshaft entlassene türkische Reporter der Deutschen Welle (DW) Alican Uludag ist erneut festgenommen worden. Wie sein Anwalt der Deutschen Presse-Agentur bestätigte, wurde der Journalist am Nachmittag in Gewahrsam genommen und zur Staatsanwaltschaft in Ankara gebracht. Grund für seine Festnahme seien Ermittlungen gegen ihn nach einem Beitrag auf der Plattform X, in dem sich Uludag kritisch über die türkische Justiz geäußert hatte.

Wie die Generalstaatsanwaltschaft von Ankara auf X mitteilte, wird gegen Uludag wegen der Vorwürfe der "Aufstachelung des Volkes zu Feindseligkeit oder Erniedrigung" sowie der "Verbreitung irreführender Informationen" ermittelt.

Der türkische Journalist, der auf Berichterstattung über das türkische Justizsystem spezialisiert ist, war im Februar dieses Jahres verhaftet worden. Angeklagt wurde Uludag wegen Präsidentenbeleidigung, Verbreitung irreführender Informationen und der Herabwürdigung der Türkei in wiederholten Fällen. Hintergrund sind unter anderem Äußerungen des Journalisten auf der Plattform X.

Im Mai wurde er am ersten Prozesstag aus der Haft entlassen, der Prozess soll nach Angaben seines Anwalts am 18. September fortgesetzt werden. Uludag hat die Vorwürfe gegen ihn stets abgestritten und nach seiner Entlassung erklärt, er werde weiterhin als Journalist tätig sein. Wie die Deutsche Welle damals mitteilte, sagte Uludag: "Wir haben nur eine Waffe, und das ist unser Stift. Diesen Stift werden wir niemals aus der Hand legen."

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) sieht in der erneuten Festnahme Uludags den "Versuch von Recep Tayyip Erdogans Autokratie, einen kritischen und unabhängigen Journalisten mundtot zu machen", wie DJV-Chef Mika Beuster sagte. Der Verband fordert die sofortige Entlassung des Reporters aus der türkischen Untersuchungshaft. Es gebe "nicht den geringsten Grund, warum ein demokratischer Rechtsstaat gegen ihn ermitteln würde." Auch der Prozess wegen Präsidentenbeleidigung sei einzustellen.