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Psychische Belastung durch Jura

Neun von Zehn Studierenden mit mentalen Problemen

Ein Hörsaal ist gefüllt mit Studierenden. Am Rednerpult steht ein Professor und spricht.
Nicht nur der Hörsaal gehört im Jurastudium zum Alltag - auch Ängste und Druck beschäftigen die Studierenden maßgeblich. © kasto / Adobe Stock

Angst vorm Examen, Sorgen um den Berufseinstieg: In einer Umfrage der Lernapp Jurafuchs berichtet eine große Mehrheit von psychischen Belastungen durch das Jurastudium. Mehr als die Hälfte hat schon über einen Abbruch oder Fachwechsel nachgedacht.

Das Examen nicht bestehen, kein Prädikat schaffen und am Ende nicht den erhofften Job finden: Diese Sorgen treiben viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer aktuellen Jurafuchs-Umfrage um. Mehr als die Hälfte hat wegen der psychischen Belastung sogar schon ernsthaft darüber nachgedacht, das Jurastudium abzubrechen oder das Fach zu wechseln. Das berichtet die juristische Lernplattform nach einer Befragung von 1.592 Jurastudierenden und Rechtsreferendaren.

Die Zahlen zeichnen ein düsteres Bild: Fast neun von zehn Befragten sagen, das Jurastudium verschlechtere ihre mentale Gesundheit. 47,1% sprechen von einer deutlichen Verschlechterung, weitere 41,8% wählen die Antwort "Es verschlechtert sie eher". Einen positiven Einfluss sieht nur etwa jeder 20.

Dabei bleibt es für viele nicht bei einem schlechten Gefühl. 58,8% haben wegen der psychischen Belastung bereits einen Abbruch oder Fachwechsel erwogen – mehr als ein Drittel aller Befragten sogar mehrfach. Unter den befragten Frauen liegt der Anteil derjenigen mit solchen Gedanken laut Jurafuchs bei 63,7%, unter den Männern bei 47%.

Die Ergebnisse lassen sich allerdings nicht auf alle angehenden Juristinnen und Juristen übertragen. Jurafuchs befragte vom 16. bis zum 23. September 2026 Nutzerinnen und Nutzer seiner eigenen Lern-App. Die Teilnahme war freiwillig, die Stichprobe ist nicht repräsentativ für sämtliche Jurastudierenden in Deutschland. Die Ergebnisse decken sich allerdings mit einer früheren Umfrage unter Referendarinnen und Referendarin aus dem Jahr 2024. In einem Fragebogen der Referendariatskommission (RefKo) der Bundesfachschaft Jura gaben 91,8% der Befragten an, unter psychischem Druck zu leiden. Bei den Frauen waren es sogar 96,8%.

Erst das Examen, dann der Job

Besonders groß ist die Angst laut aktueller Jurafuchs-Umfrage vor dem Scheitern im Examen: 67,4% der Befragten nennen das als Zukunftssorge. Doch auch das Bestehen allein beruhigt viele offenbar nicht. 55,8% fürchten, kein Prädikat zu erreichen; 55,9% sorgen sich darum, keine Stelle zu finden, die ihren Vorstellungen entspricht. 

Dazu kommen Sorgen, die über Prüfungen und Noten hinausreichen. Mehr als die Hälfte nennt die politische und gesellschaftliche Lage, 42,8% die eigene finanzielle Absicherung. Und schon vor dem Berufseinstieg beschäftigt 36,8% die Befürchtung, später durch künstliche Intelligenz ersetzt zu werden.

Als Ausgleich nennen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor allem Zeit mit Freunden oder Familie, Sport und ausreichend Schlaf. Fast jeder Fünfte gibt an, dass Psychotherapie, Beratung oder Coaching beim Stressabbau helfen. 6,5% wählen dagegen die Antwort "Nichts hilft mir wirklich".

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Unzufriedenheit mit Universitäten

Von ihren Hochschulen wünschen sich viele offenbar mehr Unterstützung. 60,4% halten die Angebote für mentale Gesundheit an ihrer Universität oder Fakultät für nicht oder eher nicht ausreichend. Nur 11,6% bewerten sie positiv, 28% wissen es nicht oder machen keine Angabe.

Hinzu kommt: Vorhandene Hilfen sind nicht allen bekannt. Nach den Unterstützungsangeboten ihrer Hochschule gefragt, geben 18,8% an, keine zu kennen. Weitere 32,6% wählen "Weiß nicht/keine Angabe". Eine psychologische Beratungsstelle des Studierendenwerks nennen immerhin 44,6%, spezielle Angebote für Jurastudierende wie Examenscoaching oder Prüfungsangst-Workshops dagegen nur 15,3%.