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Kompass Karriere #21

Welche Karrierestufen gibt es in einer Rechtsabteilung?

Kompass Karriere: Jennifer Graf

Diese Woche in der Ratgeberkolumne für (angehende) Juristinnen und Juristen: "Frau Graf, wie unterscheidet sich die Karriere in einer Rechtsabteilung von einer Kanzleikarriere – gibt es vergleichbare Karrierestufen oder verläuft sie individueller?"

Jennifer Graf: Die Karriere in einer Rechtsabteilung verläuft anders als in einer Kanzlei. Es gibt zwar Rollenbezeichnungen wie Legal Counsel oder Senior Legal Counsel, manchmal auch Teamleitungen oder Leitungsfunktionen für bestimmte Geschäftseinheiten. Aber definierte, überall vergleichbare Karrierestufen (z.B. Associate, Senior Associate, Partner) existieren so nicht. Wie sich eine Laufbahn entwickelt, hängt stark von Größe, Struktur und Kultur des Unternehmens ab.  

Gleichzeitig ist sie immer auch eine Frage des eigenen Investments: Welche fachübergreifenden Kenntnisse bringe ich mit, wie viel Neugier und Motivation habe ich, mich in Themen außerhalb des rein Juristischen einzuarbeiten und welchen Beitrag möchte ich im Unternehmen leisten? Diese individuelle Komponente prägt die Entwicklung mindestens genauso stark wie die formale Organisation. 

Nicht nur "nach oben", sondern auch "zur Seite"

Typisch ist meistens der Einstieg als Legal Counsel. Danach kann eine Senior-Rolle folgen. Was darüber hinaus möglich ist, reicht von fachlichen Spezialisierungen bis hin zu Team- oder Bereichsverantwortung. In vielen Unternehmen ist die Entwicklung allerdings nicht linear. Stattdessen gibt es oft seitliche Bewegungen, die genauso wertvoll sind. 

Solche Karriereschritte zur Seite können sehr unterschiedlich aussehen. Manche Juristinnen und Juristen wechseln in angrenzende Bereiche wie Compliance, Datenschutz oder Einkauf. Andere übernehmen bewusst Rollen, die gar nicht primär juristisch geprägt sind, etwa in Public Affairs oder im operativen Management einer Tochtergesellschaft. Viele nutzen die Chance, zwischen Funktionen zu wechseln, etwa vom Business Unit Counsel in eine zentrale Rolle oder in die Leitung eines bereichsübergreifenden Projekts. In größeren Unternehmen kommt oft noch die Möglichkeit hinzu, im Ausland Rechtsfunktionen zu übernehmen. 

Individueller, flexibler und stärker dialoggetrieben

All diese Wege zeigen: Karriere in der Rechtsabteilung ist weniger ein Stufenmodell als ein Möglichkeitsraum. Während in Konzernen formale Hierarchien existieren, ist im Mittelstand oder in kleineren Teams die Entwicklung vertikal oft begrenzt, dafür sind aber die Verantwortungsbreite deutlich größer. Aber auch in generalistisch aufgestellten Teams kann man sich profilieren, etwa durch fachliche Expertise, durch Engagement in Projekten oder durch eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Fachbereichen. 

Man sollte daher früh für sich klären, was "Karriere" eigentlich bedeutet. Geht es darum, hierarchisch aufzusteigen? Mehr Sichtbarkeit zu bekommen? Verantwortung für ein Team oder ein bestimmtes Rechtsgebiet zu übernehmen? Oder geht es darum, fachlich wirksam zu sein und als Fachexpertin oder Fachexperte im Unternehmen wahrgenommen zu werden? Wer das eigene Ziel kennt, kann die Möglichkeiten im Unternehmen sehr viel klarer sehen und aktiv gestalten. 

Zusammenfassend würde ich daher sagen: Karriere in einer Rechtsabteilung ist individueller, flexibler und stärker dialoggetrieben als in Kanzleien. Sie bedarf aktiver Gestaltung, Klarheit über die eigenen Ziele und die Bereitschaft, die Vielfalt der Möglichkeiten im Unternehmen zu nutzen. 

 

Kompass Karriere ist die wöchentliche Ratgeberkolumne von beck-aktuell. HEUTE IM RECHT für (angehende) Juristinnen und Juristen. Expertinnen und Experten beantworten Fragen zu Jurastudium, Referendariat, Berufseinstieg und Karriere im Recht, geben Orientierung im Paragrafendschungel und klare Tipps für kluge Entscheidungen auf dem Weg in den und im Beruf. Wenn auch Sie eine Frage zu einem dieser Themen haben, schicken Sie uns diese - gern auch anonym - an redaktion@beck-aktuell.de.

 

Die vorherige Kolumne finden Sie hier: Kompass Karriere #20: Wie viel Lern­zeit soll­te ich für das Ju­ra­stu­di­um auf­wen­den? (Susanne Hähnchen)