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Editorial

Juristen von morgen

Mehr Mut zur Ausbildungsreform
© JOKER/Martina Hengesbach

Könnte der Deutsche Juristentag Fortschritte bei der Ausbildungsreform bringen? Dies hofft Tobias Freudenberg: Die Diskussion sei gründlich vorbereitet, alle betroffenen Gruppen vor Ort und der Reformdruck durch KI und Sorgen um den Rechtsstaat hoch.

Gefühlt beginnt fast jeder Beitrag zur Juristenausbildung mit der Feststellung, dass die Reformdiskussion schon so alt ist wie die Ausbildung selbst, bisher aber keine grundlegenden Änderungen stattgefunden haben. Während sich auf diesen Befund vermutlich noch alle einigen können, herrscht über das „Ob“ und „Wie“ von Neuerungen große Uneinigkeit. In der bisweilen emotionalen Debatte sind die Positionen klar verteilt. Als Bremser gelten die Landesjustizprüfungsämter. Auch der Deutsche Juristen-Fakultätentag wird für tendenziell reformträge gehalten. Für eine substanzielle Erneuerung streiten Studierendenorganisationen und eine wachsende Zahl von Initiativen, die auch von zahlreichen Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern unterstützt werden. Dazwischen gibt es eine Vielzahl vermittelnder Ansichten, die sich punktuelle Änderungen vorstellen können, das bisherige System im Großen und Ganzen aber ganz gut finden.

So war die Frontenstellung schon vor dem KI-Zeitalter. Nachdem sich diese Technologie auch im Jurakosmos rasant verbreitet hat, sind sich zwar alle einig, dass sie die Juristenausbildung nachhaltig verändern wird. Welche Konsequenzen das konkret haben soll, ist aber auch schon wieder lebhaft umstritten. Die Nutzung verbieten oder ausdrücklich fördern (in Bayern wird gerade über ein Verbot-Verbot gestritten)? Hausarbeiten abschaffen, weil dabei in großem Umfang Künstliche Intelligenz eingesetzt würde? Oder Hausarbeiten stärken, weil damit juristische Methodik geschult wird, die künftig noch größere Bedeutung haben wird?

Nach vielen Jahren ergebnisloser Diskussion fragt man sich, was überhaupt noch passieren könnte, damit sich bei der Juristenausbildung etwas bewegt. Der 75. Deutsche Juristentag, der vom 16. bis zum 18.9. in Erfurt stattfindet und dem diese Ausgabe der NJW gewidmet ist, wäre das richtige Format für einen erfolgversprechenden Impuls. Er behandelt das Thema in einer eigenen Abteilung. Die Diskussion ist durch ein umfassendes Gutachten sowie vier Referate gründlich vorbereitet. Der DJT versammelt als interdisziplinäres Forum alle Stakeholder und ist damit in der Lage, ein breites Meinungsbild hervorzubringen und mit Beschlüssen, die sich hoffentlich nicht in Formelkompromissen erschöpfen, konkrete Vorschläge zu unterbreiten.

Ja, auch frühere Juristentage haben sich schon mit der Juristenausbildung befasst, ohne dass dies zu grundlegenden Reformen geführt hätte. Aber vielleicht haben sich die Rahmenbedingungen zuletzt so verändert, dass die Reformbereitschaft größer ist als früher. Dabei geht es nicht nur um eine zukunftsfähige Ausbildung des juristischen Nachwuchses im Hinblick auf KI. Es geht vor allem um den demokratischen Rechtsstaat, für dessen Funktionsfähigkeit und Resilienz die Juristenausbildung zentral ist (Dauner-Lieb NJW 2026, 2466 – in diesem Heft).

Dieser Text stammt aus Heft 34/2026 der NJW. Sie möchten die NJW kostenlos testen? Jetzt vier Wochen gratis testen inkl. Online-Modul NJWDirekt.