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Nebenkläger-Anwalt im Auschwitz-Prozess gegen Gröning legt Revision ein

Ein Etappenziel ist erreicht

Einer der 14 Nebenkläger-Vertreter im Auschwitz-Prozess von Lüneburg hat Revision eingelegt. Er will, dass der frühere SS-Mann Oskar Gröning wegen Mordes und nicht nur wegen Beihilfe verurteilt wird. Über die Erfolgsaussichten gibt es Zweifel.

BGH muss Urteil überprüfen

Der Berliner Rechtsanwalt Andreas Schulz bestätigte der Deutschen Presse-Agentur am 17.07.2015, dass er per Brief Rechtsmittel gegen das Urteil des Landgerichts Lüneburg geltend gemacht habe. Zuerst hatte "Spiegel Online" darüber berichtet. Damit muss das Urteil gegen Gröning vom Bundesgerichtshof geprüft werden – falls die Revision nicht wieder zurückgenommen werden sollte.

Verurteilung wegen Mordes angestrebt

"Nach unserer Rechtsauffassung hätte eine Verurteilung wegen Mordes und nicht nur wegen Beihilfe erfolgen müssen", sagte Schulz dem Internetportal. Aus Sicht von Nebenklägern habe das Gericht die Taten Grönings im Vernichtungslager nicht korrekt bewertet. 

Vier Jahre Haft wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen

Das LG Lüneburg hatte den 94-Jährigen am 15.07.2015 wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen zu vier Jahren Haft verurteilt. Gröning hatte eingeräumt, Geld aus dem Gepäck der Verschleppten eingesammelt und nach Berlin weitergeleitet zu haben.

Anderer Opferanwalt zweifelt an Erfolg des Rechtsmittels

Zweifel an den Erfolgsaussichten äußerte ein Kollege des Berliner Anwalts. "Eine Revision mit dem Ziel, Gröning als Mörder zu verurteilen, ist nach deutschem Recht aber komplett unrealistisch", erklärte Nebenklägeranwalt Thomas Walther. Er vertritt mit einem Kollegen mehr als 50 Überlebende und Angehörige von Opfern in dem Verfahren.

Verständnis für Forderung nach "lebenslang"

"Ich kann jedoch verstehen, wenn Nebenkläger nur eine lebenslange Strafe für gerecht halten", so Walther. Selbst der stellvertretende Lagerkommandant sei einst nur wegen Beihilfe verurteilt worden. "Da weckt die Revision Hoffnungen, die sich nicht erfüllen werden." Die mehr als 70 Nebenkläger werden von insgesamt 14 Anwälten vertreten.