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Schreibtisch mit versteckter Kamera

7.200 Euro Strafe für spionierenden Bürgermeister

Eine kleine Kamera mit rot leuchtender Linse steht zwischen Bücherrücken.
Der Bürgermeister wollte die Opposition bespitzeln © chaophrayaart / Adobe Stock

Ein Bürgermeister überwachte seine Sekretärin heimlich per Kamera, nun hat das AG Landsberg ihm eine Geldstrafe aufgebrummt. Der Richter findet das Geschehen "unglaublich", am Ende ist sowohl dem Opfer als auch dem Täter geholfen.

Nach der Bespitzelung seiner Sekretärin mit einer Videokamera ist ein früherer Bürgermeister aus Oberbayern zu einer Geldstrafe von 7.200 Euro verurteilt worden. Das AG verurteilte den 36-Jährigen zu 90 Tagessätzen zu je 80 Euro und blieb damit knapp unter der Grenze, ab der man als vorbestraft gilt.

Amtsgerichtsdirektor Alexander Kessler sprach im Urteil von einem "unglaublichen Vorgang". Er machte klar, dass dieses für den Ex-Bürgermeister günstige Strafmaß nur durch den kurz zuvor noch abgeschlossenen Täter-Opfer-Ausgleich möglich geworden sei. Sonst hätte der ehemalige Kommunalpolitiker deutlich mehr Tagessätze zu erwarten gehabt. Der Angeklagte hat sich verpflichtet, an seine frühere Mitarbeiterin 10.000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen.

Ein Jahr lang mit versteckter Kamera

Der damalige Bürgermeister von Reichling hatte im Zimmer seiner Mitarbeiterin eine Kamera unter dem Schreibtisch angebracht, mit der er jederzeit die Frau sowie Besucher und Telefonate überwachen konnte. Bild und Ton konnte er sich auf sein Handy streamen lassen, teilweise fertigte er Aufnahmen an. Nach einem Jahr flog die Spitzelaktion im Oktober 2025 auf, die Polizei durchsuchte das Rathaus und die Wohnung des Bürgermeisters. Infolge des Skandals verzichtete der 36-Jährige nach einer Amtszeit auf eine weitere Kandidatur bei der Kommunalwahl im März.

Der Ex-Bürgermeister hatte ein Geständnis abgelegt und erklärt, dass seine Mitarbeiterin einen politischen Konkurrenten unterstützt habe. Deswegen sei von Anfang an kein Vertrauen da gewesen. Er habe den Eindruck gehabt, dass sein Vorzimmer "Treffpunkt der Opposition" gewesen sei. Deswegen habe er die Kamera angebracht. "Das war falsch", betonte er. Sein Verhalten sei eines Bürgermeisters nicht würdig gewesen. Er entschuldigte sich bei seiner Sekretärin und den Bürgern in der 1.700-Seelen-Gemeinde.