Volkswagen räumt Manipulationen von Abgastests in den USA ein

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Volkswagen räumt Manipulationen von Abgastests in den USA ein. beck-aktuell, 21.09.2015 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/187756)
Volkswagen hat Manipulationen von Abgastests bei Diesel-Fahrzeugen in den USA eingeräumt. "Die Manipulation an der eingesetzten Software hat es gegeben", sagte ein Sprecher des Konzerns am 20.09.2015 in Wolfsburg. Die US-Umweltbehörde EPA beschuldigt VW, mit Hilfe einer Software die Resultate von Abgasuntersuchungen bei Diesel-Autos geschönt haben.
VW-Chef kündigt umfassende Aufklärung des Skandals an
Nachdem Volkswagen sich zunächst nicht zu Details des Falls äußern wollte, drückte VW-Chef Martin Winterkorn am 20.09.2015 in einer Erklärung sein Bedauern darüber aus, Vertrauen von Kunden und Öffentlichkeit enttäuscht zu haben. Direkt eingeräumt hatte der Konzernchef die Vorwürfe in der Erklärung noch nicht. Winterkorn kündigte eine umfassende Aufklärung des Abgas-Skandals an. "Die Geschehnisse haben für uns im Vorstand und für mich ganz persönlich höchste Priorität", sagte der Konzernchef. "Wir arbeiten mit den zuständigen Behörden offen und umfassend zusammen, um den Sachverhalt schnell und transparent vollumfänglich zu klären."
US-Umweltbehörde wirft VW Verstoß gegen Klimaschutzgesetz vor
Laut der US-Umweltbehörde EPA hat VW gegen das Klimaschutzgesetz "Clean Air Act" verstoßen. Der Konzern habe mit Hilfe einer Software die Resultate von Abgasuntersuchungen geschönt, hatte die EPA am 18.09.2015 mitgeteilt. VW drohen deswegen schlimmstenfalls Strafzahlungen von mehr als 18 Milliarden Dollar und ein nicht abzuschätzender Imageschaden. VW habe eine externe Untersuchung in Auftrag gegeben. "Klar ist: Volkswagen duldet keine Regel- oder Gesetzesverstöße jedweder Art", sagte Winterkorn. Der Konzern werde alles daran setzen, Vertrauen wiederzugewinnen.
Grüne fordern Aufklärung auch mit Blick auf Deutschland
Die Grünen im Bundestag fordern nun Aufklärung über den Fall. Es müsse geklärt werden, ob so etwas auch in Deutschland stattfinde. "Die Aufklärung werden wir mit Nachdruck im Bundestag einfordern und auch schauen, ob deutsche Behörden bei diesen illegalen Aktivitäten durch aktives Wegschauen geholfen haben", sagte die Vorsitzende des Umweltausschusses, Bärbel Höhn, am 20.09.2015 in Berlin. Es müsse auch geklärt werden, ob es ähnliche Fälle bei anderen Herstellern gebe.
Autoexperte fordert Überprüfung der Tests auch in Europa
Auch Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer fordert, die Praxis von Abgastests in Europa zu untersuchen. "Sicherlich müssen jetzt auch die EU-Kommission und das Bundesverkehrsministerium den Dingen nachgehen und klären, inwieweit diese Software auch in Europa und Deutschland eingesetzt wurde und falsche Abgaswerte vorgaukelt", sagte Dudenhöffer den Zeitungen der Funke Mediengruppe ("Berliner Morgenpost", "Hamburger Abendblatt", "Westdeutsche Allgemeine").
Daimler-Chef will Vorgang noch nicht bewerten
Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte am 20.09.2015, es sei zu früh, um die Sache zu bewerten. "Ich weiß viel zu wenig über den Fall, um zunächst mal beurteilen zu können, wie gerechtfertigt der Vorwurf Volkswagen gegenüber ist und ob wir zu 100% und in jeder Betrachtungsweise davor völlig sicher sein können", sagte Zetsche.
Rund 482.000 Fahrzeuge betroffen
Konkret wirft die EPA VW vor, die Ermittlungen von Abgaswerten bei Dieselfahrzeugen manipuliert zu haben. Betroffen sind bisher rund 482.000 Fahrzeuge. Laut EPA soll das Programm ermöglichen, das Abgas-Kontrollsystem nur bei offiziellen Emissionstests zu aktivieren. Das würde bedeuten, dass die Luftverpestung im Normalbetrieb viel höher wäre. Bislang seien Fahrzeuge der Baujahre 2009 bis 2015 aufgefallen, darunter das für VW in den USA wichtigste Modell Jetta, aber auch der Golf, Beetle, der Passat und der Audi A3. "Solche Mittel zu benutzen, um die Klimaschutzstandards zu umgehen, ist illegal und eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit", hatte EPA-Vertreterin Cynthia Giles gesagt. Ihre Behörde werde die Untersuchungen in diesem "sehr ernsten" Fall fortsetzen. Dabei sei nicht auszuschließen, dass weitere Verdachtsfälle ans Licht kämen.
Autofachmann: Schwerer Schaden für Image von Dieselautos
Der Autofachmann Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach sagte, bei VW müsse es strukturelle Änderungen geben. "Da ist etwas fundamental schiefgegangen bei VW", sagte Bratzel der Deutschen Presse-Agentur. Wie andere Branchenkenner ist er entsetzt: "Das ist ein Bärendienst für die ganze deutsche Dieseltechnologie", sagt er. Hierdurch würde das Image von Dieselautos – in den USA ohnehin in einer Nische – schwer beschädigt. Auch BMW und Daimler seien dadurch indirekt betroffen. "Man versucht seit Jahren, die Dieseltechnologie zu etablieren in den USA – und jetzt das", sagte Bratzel.
Deutsche Umwelthilfe will Verbot von Dieselautos erreichen
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) will angesichts der Manipulationsvorwürfe gegen VW ein Fahrverbot von Dieselautos in Deutschland erreichen. Das Problem bestehe nicht nur in den USA, sondern in noch deutlich stärkerem Umfang in Europa vor allem bei den deutschen Herstellern, teilte die Organisation am 19.09.2015 in Berlin mit. Die DUH will nun vor deutschen Gerichten ein Fahrverbot für Diesel-Pkw erstreiten. Die Organisation wirft Autoherstellern seit längerem vor, die Abgasbelastung durch Dieselantriebe zu schönen.
Rund 31% der Pkws in Deutschland mit Diesel betrieben
Hierzulande sind rund 13,8 Millionen Autos mit Dieselantrieb unterwegs, damit liegt der Anteil an der gesamten Pkw-Flotte in Deutschland bei rund 31%.
- Redaktion beck-aktuell
- dpa
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Volkswagen räumt Manipulationen von Abgastests in den USA ein. beck-aktuell, 21.09.2015 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/187756)



