Türkei bestellt Gesandten der deutschen Botschaft ein

Zitiervorschlag
Türkei bestellt Gesandten der deutschen Botschaft ein. beck-aktuell, 01.08.2016 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/172341)
Im Streit um die Pro-Erdogan-Demonstration in Köln vom 31.07.2016 bestellt das türkische Außenministerium den Gesandten der deutschen Botschaft in Ankara ein. Dies sei für Montagmittag geplant, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus zuverlässiger Quelle in Ankara. Botschafter Martin Erdmann ist im Urlaub, daher nimmt der Gesandte – sein Stellvertreter – den Termin wahr. Die türkische Regierung hatte scharfe Kritik daran geäußert, dass Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sich am 31.07.2016 nicht per Videobotschaft an die Demonstranten in Köln wenden durfte.
Erdogan erzürnt über Verbot einer Ansprache über Videoleinwand
Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin hatte das Verbot inakzeptabel genannt und eine "befriedigende Erklärung" Deutschlands dafür verlangt. Gut zwei Wochen nach dem vereitelten Putsch in der Türkei hatten am 31.07.2016 Zehntausende in Köln friedlich ihre Unterstützung für Erdogan demonstriert. Zugleich feierten sie die Niederschlagung des Umsturzversuchs. Eigentlich hatten die Veranstalter der Kundgebung in Köln geplant, Erdogan auf einer Großleinwand live zuzuschalten – dies war angesichts der aufgeheizten Stimmung aber verboten worden.
Erwartete Ausschreitungen blieben aus
Nach Angaben der Polizei nahmen 30.000 bis 40.000 Menschen an der Kundgebung teil. Es gab mehrere Gegendemonstrationen. Zu den befürchteten Ausschreitungen kam es nicht. Die Polizei zog am Abend eine positive Bilanz. Im Einsatz waren 2.700 Beamte, auch Wasserwerfer standen bereit. Der Kundgebungsplatz glich einem roten Meer aus türkischen Flaggen. Mit einer Schweigeminute gedachten die Teilnehmer der Opfer des Putschversuches in der Türkei sowie der Opfer der jüngsten Terroranschläge in Frankreich, Deutschland und der Türkei.
Erklärung Erdogans am Ende der Veranstaltung verlesen
Gegen Ende der Veranstaltung wurde eine Botschaft Erdogans verlesen. In dieser lobte er, dass sich die türkische Bevölkerung den Putschisten mutig entgegengestellt habe. Er dankte auch den türkischen Bürgern, die in Deutschland auf die Straße gegangen seien. "Heute ist die Türkei stärker als sie je vor dem 15. Juli gewesen ist", hieß es.
Vor allem EU kritisiert Reaktion der Türkei auf Putschversuch
Erdogan macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch von Mitte Juli 2016 verantwortlich. In der Türkei läuft seither eine von der Regierung sogenannte Säuberungswelle gegen mutmaßliche Unterstützer Gülens im Militär, in der Polizei, den Medien, der Justiz und im Bildungswesen. Knapp 18.700 Menschen wurden festgenommen, gegen 10.137 ergingen nach Angaben Erdogans Haftbefehle. Die harten Maßnahmen wurden besonders aus der EU kritisiert.
- Redaktion beck-aktuell
- dpa
Zitiervorschlag
Türkei bestellt Gesandten der deutschen Botschaft ein. beck-aktuell, 01.08.2016 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/172341)



