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Kinderpsychiaterin im Block-Prozess

Wie eine Silvesternacht zwei Kinder verfolgt

Eine Frau in blauem Blazer und blauer Hose geht einen Gerichtsflur entlang.
Die Kinder- und Jugendpsychiaterin Mareike Schüler-Springorum auf dem Weg zum Gerichtssaal © dpa | Marcus Brandt

An Silvester 2023/24 werden zwei Kinder von Christina Block vom Wohnort des Vaters in Dänemark entführt. Eine Kinder- und Jugendpsychiaterin Mareike Schüler-Springorum hat nun vor Gericht über die Folgen für den Jungen und das Mädchen berichtet.

Im Hamburger Block-Prozess hat eine psychiatrische Sachverständige ihr Gutachten zu den Folgen der Entführung an Silvester 2023/24 für die Kinder vorgetragen. Schüler-Springorum beantwortete im Anschluss Fragen der Prozessbeteiligten, wie eine Gerichtssprecherin mitteilte. Ihren Vortrag habe die Sachverständige nach vier Verhandlungstagen abgeschlossen. Die Angeklagten, ihre Verteidiger und die Staatsanwaltschaft könnten nun noch Stellungnahmen zu den Ausführungen der Ärztin abgeben. Darum seien weiterhin keine Zuschauer zugelassen. Die Strafkammer am Landgericht hatte für die Anhörung von Schüler-Springorum die Öffentlichkeit ausgeschlossen, um die schutzbedürftigen Interessen der Kinder zu wahren.

Die Entführung habe für den damals zehnjährigen Jungen und dessen 13-jährige Schwester traumatische Folgen gehabt. Das erklärte die Schüler-Springorum im Prozess nach Angaben einer Gerichtssprecherin. "Die Sachverständige kam zu dem Ergebnis, dass die Kinder durch das Erleben ihrer eigenen Entführung, das Erleben der Entführung, das Erleben der Entführung ihres Geschwisterkindes und das Erleben des Angriffs auf den Vater mit unklarem Ausgang in der Silvesternacht
2023/2024 einer massiven Traumatisierung ausgesetzt seien, deren Folgen bis heute andauerten", teilte die Sprecherin nach Abschluss der nicht öffentlichen Gutachtenerstattung mit.

Für ihr Gutachten habe die Sachverständige neben den Prozessakten auch medizinische, psychologische und schulische Unterlagen ausgewertet. Außerdem habe sie mit den Kindern gesprochen. Sowohl die Richter als auch die Staatsanwaltschaft, die Nebenkläger und die Verteidiger hätten Gelegenheit bekommen, ihre Fragen zu stellen, erklärte die Gerichtssprecherin weiter. Nebenkläger sind neben Blocks Ex-Mann auch die Kinder, die im Prozess von einer Anwältin vertreten werden.

Anklage gegen Christina Block

Die Unternehmerin Christina Block (53) ist angeklagt, im Zuge eines langen Sorgerechtsstreits mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel eine israelische Sicherheitsfirma damit beauftragt zu haben, ihre beiden jüngsten Kinder - damals 10 und 13 Jahre alt - vom Wohnort des Vaters in Dänemark zu entführen. Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette "Block House" bestreitet die Vorwürfe.

Es gibt noch sechs weitere Angeklagte, darunter ist ihr Lebensgefährte, der frühere Sportmoderator Gerhard Delling (67), dem Beihilfe vorgeworfen wird. Nur einer der Angeklagten, ein 37-Jähriger aus Israel, hat die Vorwürfe eingeräumt. Sollten die Angeklagten verurteilt werden, könnten die Folgen der Entführung für die Kinder das Strafmaß beeinflussen, wie ein Gerichtssprecher erläuterte.

Vater berichtete von Angstzuständen

Der Vater der Kinder hatte in seiner Aussage berichtet, die beiden Kinder hätten nach der Entführung unter Panikattacken gelitten. Sie hätten Angst, aus dem Haus zu gehen. "Sie sind auf der Hut, dass ihre Mutter ihnen jemand hinterherschickt, der ihnen etwas antut", hatte Blocks Ex-Mann am elften Prozesstag am 22. September vergangenen Jahres gesagt. Damals hatte Schüler-Springorum erstmals an dem Prozess teilgenommen.

Nach der Rückgabe der Kinder habe seine Familie zunächst in einem sogenannten Safe House gelebt, hatte Hensel weiter erklärt. Doch trotz aller Sicherheitsvorkehrungen hätten sie Angstzustände und Alpträume gehabt. Die dänischen Behörden hätten Sicherheitsvorkehrungen wie bei einem Zeugenschutzprogramm getroffen. Hensel und seine dänische Ehefrau seien mit insgesamt fünf Kindern fünfmal umgezogen, zweimal hätten sie die Schule gewechselt.