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Abgas-Skandal

Großinvestoren reichen Milliardenklage gegen VW ein

Leitplanken für KI-unterstützte Justiz

Für VW wird es nun auch im Streit mit Großinvestoren um die Folgen der Abgas-Affäre ernst: Eine Gruppe von 278 institutionellen Profi-Anlegern hat am Braunschweiger Landgericht eine Klage auf 3,255 Milliarden Euro Schadenersatz eingereicht. Eine Sprecherin des Gerichts bestätigte am 15.03.2016 den Eingang.

Weitere juristische Großbaustelle für den Autobauer

Knapp ein halbes Jahr nach dem Ausbruch des Skandals um manipulierte Stickoxid-Messwerte bei Abgastests wird – neben mehreren Verfahren privater VW-Kunden – damit auch der Konflikt um die rechtzeitige Mitteilung der Probleme im September 2015 zu einer juristischen Großbaustelle für den Autobauer in Deutschland. In den USA, wo das Diesel-Debakel begonnen hatte, drohen bereits Sammelklagen. In Braunschweig soll es um die bisher mit Abstand größte Summe gehen. Dort seien nun 67 Klagen gegen VW eingegangen, hieß es aus dem LG. Die Gesamtsumme auf Schadenersatz daraus belaufe sich auf mehr als 3,7 Milliarden Euro. Der Tübinger Rechtsanwalt Andreas Tilp hatte bereits am 14.03.2016 die Milliardenklage bestätigt. Er will die Klägerseite im Prozess vertreten.

Aktionäre werfen Konzern Auskunftspflichtverletzung vor

Bei den Vorwürfen geht es darum, ob VW seiner Auskunftspflicht gegenüber Aktionären nachgekommen ist. Der Konzern hatte erst Tage, nachdem die US-Umweltbehörde EPA ihre Manipulationsvorwürfe am 18.09.2015 öffentlich machte, über drohende finanzielle Konsequenzen informiert. Das Unternehmen bekräftigte mehrfach seine Auffassung, alle Pflichten befolgt zu haben. Viele Anleger wollen sich ihre Verluste aus dem abgesackten Aktienkurs von VW aber erstatten lassen. Am 15.03.2016 gerieten die Vorzugspapiere der Wolfsburger im Leitindex Dax nach dem Bekanntwerden der Investoren-Klagen abermals unter Druck. Sie fielen im frühen Handel um 1,6% auf 113,75 Euro. Unter den Klägern im Braunschweiger Fall sind der größte US-Pensionsfonds Calpers und die Sparkassen-Fondstochter Deka.

Kläger-Anwalt: "Das ist erst der Anfang"

Zunächst hatten “Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR über dieses Verfahren berichtet. Schon zuvor gab es dutzende ähnliche Klagen. Laut Tilp wollen sich diverse andere Investoren seinem Verfahren anschließen. "Das ist erst der Anfang", sagte der Anwalt. Eine Allianz-Tochter sei bereits unter den Klägern. Ein Sprecher der Vermögensverwaltung Allianz Global Investors (AGI) hatte vor einigen Tagen gesagt, man müsse prüfen, "ob unsere Anleger geschädigt worden sind und wir dann dementsprechend Schritte einleiten". AGI hält 0,06% an dem Wolfsburger Konzern. Der kalifornische Lehrer-Pensionsfonds CalSTRS hatte bereits Anfang März 2016 angekündigt, vor deutschen Gerichten um Schadenersatz streiten zu wollen.