Viele starten, doch viele gehen: Warum steigen Anwältinnen aus?

Zitiervorschlag
Dr. Jannina Schäffer: Viele starten, doch viele gehen: Warum steigen Anwältinnen aus?. beck-aktuell, 16.10.2026 (abgerufen am: 16.10.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/207906)
Immer mehr Frauen arbeiten als Rechtsanwältinnen, gleichzeitig geben viele ihre Zulassung bereits nach wenigen Berufsjahren wieder zurück. Eine Umfrage soll die Gründe dafür erfassen. Anwältinnen können jetzt teilnehmen.
Warum verlassen zahlreiche Anwältinnen den Beruf vergleichsweise früh? Dieser Frage geht eine neue Untersuchung der Leibniz Universität Hannover in Kooperation mit der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) nach. Mit einer anonymen Online-Umfrage wollen Katharina Bernheim-Engler und Tanja Nitschke Erkenntnisse darüber gewinnen, welche Erfahrungen Anwältinnen in Deutschland im Berufsalltag machen und welche Faktoren ihre Karriere beeinflussen.
Hintergrund der Untersuchung ist eine Entwicklung, die die Anwaltschaft seit Jahren begleitet. Zwar steigt der Anteil von Frauen unter den zugelassenen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten kontinuierlich und liegt inzwischen bei fast 38%. Gleichzeitig geben Frauen ihre Zulassung überproportional häufig bereits nach wenigen Berufsjahren wieder zurück.
Die Initiatoren sehen darin auch mit Blick auf den juristischen Arbeitsmarkt Handlungsbedarf. Tanja Nitschke, Rechtsanwältin und Geschäftsführerin der BRAK, erklärt gegenüber beck-aktuell.HEUTE IM RECHT: "Angesichts der demografischen Entwicklung und des sich verschärfenden Wettbewerbs um juristischen Nachwuchs ist dies ein problematischer Befund – uns interessieren die Gründe dafür. Wir wollen wissen, welche konkreten Erfahrungen Anwältinnen in Deutschland gemacht haben."
"Wir wollen die Puzzleteile zusammensetzen"
Die Forschenden wollen nun klären, wie sich die Situation in Deutschland darstellt. Prof. Dr. Katharina Bernheim-Engler erläutert das Ziel der Untersuchung: "Eine starke Anwältinnenschaft ist eine Voraussetzung für einen guten Zugang zum Recht. Mit unserer Forschung möchten wir verschiedene Puzzleteile zusammensetzen und ein möglichst umfassendes Bild von der gegenwärtigen Situation von Anwältinnen in Deutschland bekommen."
Internationale Untersuchungen, etwa der International Bar Association (IBA), hätten dabei ganz unterschiedliche Aspekte der beruflichen Herausforderungen für Anwältinnen aufgezeigt. Die Ergebnisse der Umfrage sollen die Grundlage für weitergehende wissenschaftliche Forschung bilden. Untersucht werden soll eninsbesondere die Entwicklung der Anwältinnenschaft und mögliche Auswirkungen auf den flächendeckenden Zugang zu anwaltlicher Beratung.
Teilnahme bis zum 4. November
Die Teilnahme an der Umfrage erfolgt anonym und nimmt nach Angaben der Initiatorinnen etwa fünf Minuten in Anspruch. Teilnehmen können Anwältinnen, die ihre Erfahrungen in die Untersuchung einbringen möchten. Die Umfrage läuft noch bis zum 4. November 2026. Anschließend sollen die Ergebnisse ausgewertet und öffentlich vorgestellt werden.
Zu den weiteren Schritten heißt es in einem gemeinsamen Statement von Nitschke und Bernheim-Engler: „Mit der Umfrage möchten wir auf das Thema aufmerksam machen und die weitere Diskussion eröffnen. Auf Grundlage der Ergebnisse der Umfrage und der Diskussion auf der Konferenz werden wir über die weiteren Schritte entscheiden.“
Die Ergebnisse sollen auf der 9. Konferenz „Anwaltschaft im Blick der Wissenschaft“ vorgestellt werden, die von der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) und dem Institut für Prozess- und Anwaltsrecht (IPA) der Leibniz Universität Hannover ausgerichtet wird.
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Dr. Jannina Schäffer: Viele starten, doch viele gehen: Warum steigen Anwältinnen aus?. beck-aktuell, 16.10.2026 (abgerufen am: 16.10.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/207906)




