Teuer erkaufte Souveränität

Zitiervorschlag
Prof. Dr. Friedemann Kainer: Teuer erkaufte Souveränität. beck-aktuell, 21.01.2021 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/11041)
An Heiligabend – eine Woche vor Ablauf der Übergangsfrist – haben sich die EU und das Vereinigte Königreich auf ein Handels- und Kooperationsabkommen (HKA) geeinigt, das nach Annahme im Rat und Ratifikation durch das britische Parlament (die des Europäischen Parlaments steht noch aus) zunächst vorläufig anwendbar ist. Der Austrittsprozess war schwierig und litt daran, dass London lange kein innenpolitischer Konsens über die Bedeutung des Brexit gelang. Zwischenzeitlich hatte sich die Regierung von Theresa May sogar auf den Verbleib in der europäischen Zollunion festgelegt, fand für ihren „Deal“ aber keine Mehrheit im Unterhaus. Durchgesetzt hat sich schließlich die kleine „European Research Group“ mit ihrem Ruf aus der „Rule, Britannia!“: „Britons never shall be slaves!“
Für ein Fazit ist es noch zu früh. Gewiss ist aber, dass der Handel und die ebenfalls vereinbarte justizielle Zusammenarbeit leiden werden. Der erreichte Stand ist angesichts von Kündigungsrechten, der Überprüfungspflicht nach fünf Jahren sowie möglicher Rebalancing-Maßnahmen unsicher – mit negativen Folgen für das Investitionsklima auf der Insel. Der Zuwachs an nationaler Souveränität ist für London also teuer erkauft, zumal die Einheit des Königreichs auf dem Spiel steht. Im Zeitalter der Verschiebung der wirtschaftlichen und politischen Machtpole nach Asien erschallt der Ruf „Britannia rule the waves!“ nur mehr als fahles Echo vergangener Zeiten, zumal nach dem Austritt die Bedeutung Britanniens kaum steigen wird. •
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Prof. Dr. Friedemann Kainer: Teuer erkaufte Souveränität. beck-aktuell, 21.01.2021 (abgerufen am: 13.05.2026 von https://www.beck-aktuell.de/node/11041)



